Grundschulkonzept in Nersingen
 

Übrig bleibt ein Scherbenhaufen...
...ein persönliches Fazit


Nun ist es soweit und wir stimmen ab - nur worüber stimmen wir eigentlich ab? Ursprünglich ging es um die Fragestellung wie sich die Gemeinde im Bereich der Grundschulen für die Zukunft aufstellen will. Dazu wurde unter Beteiligung der Schulleitungen, des gesamten Lehrerkollegiums, der Elternbeiräte und eines externen Experten ein Konzept erarbeitet. Die Weiterentwicklung dieses Konzepts sollte nun umgesetzt werden und hat im Kern auch die Schließung der Grundschule Oberfahlheim zur Folge.

In einer Stellungnahme sprechen sich die Schulleiterinnen der beiden Grundschulen für die Umsetzung dieses neuen Konzeptes aus. Was für eine Chance! Es bietet sich die einmalige Gelegenheit die Schullandschaft nach den Bedürfnissen der Schulen anzupassen, nach den Vorstellungen derjenigen, die mit unseren Kindern Tag täglich arbeiten.

Dass es nicht jedem leicht fallen würde die Schließung der Grundschule Oberfahlheim zu akzeptieren, hätte man sich denken können. Dass sich an dieser Frage aber ein derart intensiver Konflikt entzünden und eine so tiefe Spaltung der Gemeinde die Folge sein würde, konnte man nicht unbedingt erwarten.

Dass emotionale Entscheidungen gerne nachträglich auf die Basis fachlicher Argumente gestellt werden hat man schon öfters gesehen - so auch hier. Der Faktenbestand wird modifiziert, Statistiken werden zu dem Teil, der ins Bild passt, genutzt, an anderen Stellen dann bedient man sich lieber eigener Zahlen. Studien werden zitiert um einen Standpunkt zu stützen, ohne dass die Studie insgesamt den eigenen Standpunkt tatsächlich belegt. Hier wird der Eindruck von Gründlichkeit und Wissenschaftlichkeit erweckt - Wissenschaft aber funktioniert anders und lebt davon, Annahmen auf Basis von bereits Gewusstem zu bestätigen oder zu widerlegen. Dabei muss die Widerlegung aber ein akzeptables Ergebnis sein. Es genügt nicht, einseitig nach Quellen zu suchen, gefundene Quellen einseitig auszuwerten und dort wo es eng wird der Gegenseite Manipulation, Trickserei oder eigene egoistische Motive zu unterstellen.

Auch eine Vielzahl von technisch zugegebenermaßen gut gemachten, aber inhaltlich teilweise eher fragwürdigen Videos kann hier nur einen Anschein erwecken, der manchen erreicht und überzeugt, der einer intensiveren Überprüfung aber kaum standhält.

Insgesamt war die Strategie den Vorwurf der Trickserei und Täuschung in den Vordergrund zu stellen vermutlich nicht wirklich zielführend, auch wenn die Gemeinde an manchen Stellten durch ihr Agieren durchaus dazu eingeladen hat. Vielleicht wurden hier nicht alle Fragen zufriedenstellend beantwortet, berechtigte Kritik nicht ernst genug genommen, die Seite der Gegner zu wenig einbezogen. Auch ich hätte mir gewünscht, als Vorsitzender des Elternbeirats Strass und des Gesamtelternbeirats der Gemeinde einbezogen zu werden. Das wurde leider bis zum Ende meiner Amtszeit im Sommer 2021 nicht für nötig erachtet.

Aber deswegen eine Eskalation zuzulassen oder gar voranzutreiben ist keine Alternative, ebenso wenig die Einmischung kaum betroffener Personen, die mit Geld oder Anfeindungen die Auseinandersetzung bereichern...

Es geht um unsere Kinder! Es geht darum, in welchem Umfeld sie unterrichtet werden. Es geht damit auch um die Lehrer, die die Chance haben eine Schule zu bekommen, die auch ihren Bedürfnissen gerecht wird - um unseren Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen.

Es geht nicht um das Gebäude der Schule - dafür würden mir genug Dinge einfallen. Soll Herr Müller - wenn ihm Oberfahlheim so am Herzen liegt - sein Geld spenden für ein Jugendhaus das seinesgleichen sucht. Ein Treffpunkt, für den die Kinder und Jugendlichen aus Leibi, Nersingen und Strass aufs Fahrrad steigen um nach Oberfahlheim zu kommen. Um ihr erstes Bier oder den ersten Flirt an dem Ort zu erleben, an dem ihre Eltern einst Diktate geschrieben und Textaufgaben gelöst haben...
Warum kann dieses Gebäude keinen anderen Zweck für die Jugend in der Gemeinde erfüllen, als nur Schule zu sein? Warum spendet Herr Müller nur dafür, dass in diesem Haus weiterhin Schulbänke stehen?

Wo ist der Gedanke an Fortschritt, Mut zur Veränderung? Wollen wir Veränderung wirklich nur, solange alles beim Alten bleibt?

Und fällt uns dazu, dass Menschen sich ein Grundstück kaufen um sich den Traum vom Eigenheim in unserem Ort zu erfüllen, nicht mehr ein als diese Menschen, schon bevor sie Teil unserer Dorfgemeinschaft werden, mal als politisch finanzielles Kalkül unseres Bürgermeisters abzustempeln, mal als Futter in der Argumentation für den Erhalt eines Schulstandorts heranzuziehen?

So leid es mir tut, all das ist im Finale dieser Auseinandersetzung passiert. Und es zeigt, wie weit wir uns von der eigentlichen Fragestellung entfernt haben.

Ich denke es wird Zeit die Kränkungen zu überwinden, nach vorne zu sehen und unseren Ort zu gestalten. Mutig und mit Inspiration - und das auch dann, wenn die Gefühle erst mal nein sagen.

Wir haben eine große Chance, die auch Opfer verlangt. Aber ich bin der festen Überzeugung, wir bekommen etwas zurück.

Ich hätte mir gewünscht, wir hätten eine echte Diskussion geführt. Wir hätten die Fakten auf den Tisch gelegt, die Köpfe zusammengesteckt und miteinander gearbeitet. Stattdessen wurden Grabenkämpfe geführt, substantiell wurde aber nichts bewegt. Das war eine Chance, die wir vertan haben. Die nächste kommt heute.

Aber was uns nach dieser Abstimmung bleiben wird ist entweder die Chance zur Umsetzung eines neuen pädagogischen Konzeptes in voller Schönheit, wie von den Schulen selbst gewünscht, oder die Aufgabe in einem anderen, in mancherlei Hinsicht weniger günstigen Rahmen einen modernen Unterricht umzusetzen. In jedem Fall bleibt uns aber erst einmal ein Scherbenhaufen liegen, die Reste von Vorwürfen, Unterstellungen und Halbwahrheiten - ungelöste Konflikte, offene Wunden. Und in diesem Feld muss sich die Pädagogik hier am Ort in den nächsten Jahren und Jahrzehnten bewegen.

Schöne Aussichten sehen anders aus...