Grundschulkonzept in Nersingen
 

Stimmungsmache für Fortgeschrittene
Wie man Fake News gekonnt platziert


Der Förderverein Fahlheim (FVF) nimmt für sich in Anspruch, neutral und unvoreingenommen zu informieren.
Die Kommunikationsstrategie des FVFs zeigt aber mittlerweile auch Züge eines hochentwickeltes Systems zur Verbreitung von Falschinformationen und zur vollkommen verzerrten Darstellung der Stimmung in der Gemeinde.

Schwere Vorwürfe? Hier kommen die Fakten!

Verzerrte Darstellung der Stimmung
Der FVF verlinkt auf seiner Seite [1] zahlreiche Beiträge aus Fernsehen, Rundfunk, Print-Medien und Beiträge von Privatpersonen.
Allein die Anzahl dieser Beiträge lässt erahnen, wie groß dass Interesse am Thema ist - wirklich?
Artikel, die inhaltlich eher unpassend sind, erscheinen in der Liste der Links nicht, so zum Beispiel Schulstreit in Nersingen eskaliert, 29.07.2022, SWP. Andere Beiträge sind vom FVF selbst lanciert, zweifelsfrei nachvollziehbar für 4 von 9 Leserbriefen. Würde man die eigenen Beiträge hier kenntlich machen, so könnte der Besucher der Seite selbst erkennen, welche Informationen der FVF liefert, und welche Stimmen aus der Bevölkerung kommen. Das wäre ein Beitrag zu mehr Transparenz.

Ist das nur eine Kleinigkeit, hat man nur vergessen, dass die Unterscheidung in eigene Stimmen und fremde Stimmen sinnvoll wäre? Ich denke nicht! Hier wird gezielt der Eindruck vermittelt, dass neben dem FVF eine breite Öffentlichkeit gegen die Schulschließung aktiv vorgeht.

Falsches Spiel?
Ein konkretes Beispiel ist nun der Leserbrief Die Kinder profitieren nicht von der Schulschließung von Christian Hoffmann [2]. Natürlich darf er einen Leserbrief schreiben, aber er ist Mitglied der Steuerungsgruppe (was auch immer das ist) des FVF.

Und der Brief beginnt wie folgt:
Wer wie ich auf einer der Informationsveranstaltungen des Fördervereins war, der weiß, dass die Vorwürfe an die Gemeinde alles andere als haltlos sind.

Klingt das nur für mich so, oder soll hier der Eindruck erweckt werden, der Autor des Leserbriefs gibt Informationen wieder, die er auf einem Informationsabend erfahren hat?

Das wäre natürlich schon sehr seltsam, wenn Mitglieder der Steuerungsgruppe auf Informationsveranstaltungen des Vereins, den sie steuern, angewiesen sind um zu erfahren, was läuft!
Werden wir hier bezüglich der Rolle des Autos hinters Licht geführt? Es fühlt sich so an. Man hätte auch schreiben können, dass man als Mitglied der Steuerungsgruppe gerne etwas sagen möchte - ist doch nicht schlimm...

Fake News
Weiter heißt es im Leserbrief:
Eine riesige vierzügige anonyme Grundschule kann im Vergleich zu familiären, kleineren Schulen doch niemals zum Wohl der Kinder sein.
Klingt überzeugend - ist es aber nicht. Die Schule in Nersingen wird nicht vierzügig werden und war auch nicht so geplant. Geplant ist die Dreizügigkeit in Nersingen und die Zweizügigkeit in Strass.
Das ist die Wahrheit und wer den Anspruch hat, neutral und fair zu informieren, wie es sich der FVF auf die Fahnen geschrieben hat, der sollte dann eben auch bei der Wahrheit bleiben. 3-zügig ist einfach nicht das gleiche wie 4-zügig.

...noch mehr wissentliche Falschinformation
Wer noch nicht genug hat, der kann noch weiter lesen:
Man kann mir doch nicht erzählen, dass Kinder in einer großen Schule, wo sie in der Masse untergehen, besser lernen, als an einer kleinen Schule, wo jeder jeden kennt.

Das verwundert nun schon, denn die Studie, die fast genau dieses besagt, nämlich dass kleine Schulen nicht besser sind als große, wird vom FVF selbst zitiert, mit einem Satz, der gut in die eigene Argumentation passt:
"Eine kleinere Grundschule ermöglicht diesbezüglich sehr viel mehr zeitliche und räumliche Flexibilität, als dies in größeren Organisationen der Fall ist" [3, S. 47]

Nicht zitiert werden Einschränkungen wie die folgenden:
  • "Unter schulorganisatorischen Aspekten überwiegen bei der kleinen Grundschule die Herausforderungen, die durch die geringeren Personalreserven entstehen."[3, S. 50]
  • "Für die einzelne Lehrperson bedeutet die Tätigkeit an einer Kleinschule sehr hohe Anforderungen, die sich mit einem geringeren kollegialen Austausch paaren."[3, S. 50]
  • "Die Unterrichtsqualität läuft an kleineren Schulstandorten Gefahr, im Laufe von längeren Zeiträumen zu degradieren, solange es kein aktives Bemühen um regelmäßige neue Impulse gibt."[3, S. 50]
Die pauschale Aussage kleine Schulen seien besser lässt sich aus der Studie explizit nicht ableiten:"Die Frage nach der optimalen Schulgröße lässt sich aus pädagogischer Sicht nicht eindeutig beantworten – weder unter quantitativen, noch unter qualitativen Aspekten."[3, S. 49]

Herr Hoffman schreibt also in seinem Leserbrief betreffend einer Informationsveranstaltung des FVF, in deren Steuerungsgruppe er Mitglied ist:
"Man kann mir doch nicht erzählen, dass Kinder in einer großen Schule, wo sie in der Masse untergehen, besser lernen, als an einer kleinen Schule, wo jeder jeden kennt."
Das kann ihm also keiner erzählen, obwohl genau dieser Verein eine Studie zitiert, in dem genau das steht, was ihm keiner erzählen kann.
Zumindest für mich ist das nicht nachvollziehbar - nicht unter dem Blickwinkel unvoreingenommener, neutraler, sachlicher Information!



[1]: https://www.rettet-gs-oberfahlheim.de/
[2]: https://www.rettet-gs-oberfahlheim.de/assets/img/leserbriefe/2022-07-26_Neu_Ulmer_Zeitung.jpg
[3]:https://www.schleswig-holstein.de/DE/fachinhalte/S/schulsystem/Downloads/Grundschul_Studie.pdf