Grundschulkonzept in Nersingen
 

Missverständnis
Zu wenig Kitas, aber eine Schule schließen?


Viele halten es für einen Irrsinn, eine Grundschule zu schließen während die Kitas aus allen Nähten platzen. Der Elternbeirat Oberfahlheim [1] rechnet vor:
Anzahl Kindergartenplätze in der Gemeinde geteilt durch 3 (Jahre) ergibt Anzahl der Erstklässler pro Jahr und kommt auf die stolze Zahl 124.

Richtig ist, dass viele Kinder länger als 3 Jahre den Kindergarten besuchen! Sollten in der Zählnung der Kindergartenplätze auch Krippenplätze enthalten sein (lässt sich nicht nachprüfen, da die Zahl einem nicht kostenlos zugänglichen Zeitungsartikel entnommen ist), so müsste man natürlich durch eine Zahl größer 3 teilen.

Eine Abschätzung der durchschnittlichen Jahrgangsstärke auf Basis der Bevölkerungsstatistik [2], die der Elternbeirat an anderer Stelle selbst zitiert, lässt sich die Zahl der Erstklässler im Schnitt mit kleiner 100 abschätzen. Damit liegt die tatsächliche Zahl gut 20% unter der Behauptung des Elternbeirats Oberfahlheim.



Ein Beispiel:

Wären alle Jahrgänge genau 100 Kinder stark und würden alle Kinder 3 Jahre lang einen Kitaplatz in Anspruch nehmen, so würden genau 300 Plätze benötigt werden.

Für jede vorzeitige Einschulung, die dazu führt, dass der Platz nur 2 Jahre in Anspruch genommen wird, wird ein Platz weniger benötig.
Umgekehrt wird für jede Rückstellung ggf. ein weiterer Platz benötigt. Insgesamt sind Rückstellungen vermutlich häufiger (zumindest ist das meine Wahrnehmung), so dass hier ein Mehrbedarf von vielleicht 5% pro Einschulungsjahrgang zu berücksichtigen sein könnte. Damit wäre der tatsächliche Bedarf dann 305 Plätze.

Sollten 25% der Kinder eines Jahrgangs einen Betreuungsplatz für unter 2-jährige in Anspruch nehmen, so kommen zum bisher bestimmten Bedarf weitere 50 Plätze hinzu, da die Kinder erst nach 2 Jahren in der bisherigen Rechnung berücksichtigt sind.
Der Bedarf steigt somit auf 355 Plätze an.

Dieser Bedarf entsteht in unserer Rechnung bei 100 Kindern pro Jahrgang, 5% Rückstellungen (bzw. einem Übergang von Rückstellungen gegenüber vorzeitigen Einschulung) und 25 Krippenkindern pro Jahrgang.

Teilt man nun diesen Bedarf einfach durch 3 (Jahre), so schätzt man die Zahl der Erstklässler auf 118 Kinder - obwohl wir genau wissen, dass es nur 100 Kinder sind.



Diese Rechnung ist ein Beispiel, die tatsächlich Zahlen könnte man recherchieren. Es soll nur verdeutlichen, dass die Situation in den Kitas nur begrenzt Rückschlüsse auf die Situation an den Grundschulen zulässt.



Steigende Schülerzahlen?

Der Elternbeirat führt eine nicht detailliert offengelegte eigene Zählung und den Verweis auf Baugebiete als Begründung für die Erwartung steigender Schülerzahlen an. Die Statistiken [2] geben diese Erwartung nicht her - aber egal.

Inwieweit ein Zuzug zur Gemeinde realistisch ist, kann auch in Frage gestellt werden. Bezüglich seiner Politik wird der Bürgermeister von Frau Renate Hartwig öffentlich abgewatscht:

"Im Raum steht auch Ihr Plan, die Einwohnerzahl in der Gemeinde über 10.000 zu erhöhen. Dies könnte mit dem neuen Baugebiet in Oberfahlheim – direkt neben der Grundschule – klappen. Bei einer Einwohnerzahl über 10.000 wird nicht nur die Bezahlung für Sie als Bürgermeister steigen, sondern auch Ihre Chance, nach Ihrer BGM Tätigkeit, in politische Gremien aufzusteigen."[3]
Der offene Brief wird vom Förderverein Fahlheim (FVF) offenbar für gut befunden, da er auf der eigenen Internetseite [4] verlinkt ist (zwischenzeitlich wat der Link entfernt worden - ist kurz darauf jedoch wieder aufgenommen worden).

Woher genau nun die Erwartung kommt, eine Gemeinde könnte in der Altersgruppe der Grundschüler wachsen während man dem Bürgermeister praktisch ein Verbot für Zuzug ganz öffentlich ins Pflichtenheft schreibt, bleibt offen.

Aber auch hier wird deutlich, wie menschenverachtend hier zukünftige Mitbürger als Spielball der Argumentation mal für den Erhalt der Grundschule, mal gegen die Politik des Bürgermeister hin und her gespielt werden. Darauf können wir verzichten - für diese Art der Förderung des Gemeinwohls brauchen wir keinen Verein.
Setzen, 6!

[1]: https://www.nersingen-buergerentscheid.de/
[2]: Bayrisches Landesamt für Statistik, Demographie-Spiegel für Bayern 2021, Gemeinde Nersingen
[3]: https://direct.renate-hartwig.de/einmischen-ist-buergerpflicht/
[4]: https://www.rettet-gs-oberfahlheim.de/