Grundschulkonzept in Nersingen
 

Einfluss des Baugebiets
Ein neues Baugebiet, aber eine Schule schließen?


Immer wieder wird das neue Baugebiet in die Diskussion mit einbezogen. Auf seiner Seite erwähnt der Förderverein Fahlheim [1] mögliche Effekte auf die Schülerzahlen, ohne diese zu quantifizieren. Ebenso wird im Video Sinn auf der Seite der Bürgerinitiative [2] das Baugebiet erwähnt. Die Schule zu schließen ist doch Irrsinn, wenn direkt daneben ein neues Baugebiet entsteht, wird suggeriert - aber ist das wirklich so?

Man könnte versuchen, die Zahl der Kinder abzuschätzen. Das wird natürlich immer mit einer gewissen Unsicherheit behaftet sein, aber eine Modellrechnung ist dennoch immer eine feine Sache. Sie vermittelt erst einmal ein Gefühl für die zu erwartenden Effekte auf die Schülerzahlen und ermöglicht zugleich durch Variation der Eingangsparameter verschiedene Szenarien durchzuspielen.

Versuch einer Modellrechnung
  • 16 Grundstücke
  • 2 Kinder pro Familie im Durchschnitt1)
  • 2 Jahre Altersabstand zwischen Geschwistern
  • 5 Familien haben zum Zeitpunkt des Zuzugs schon 2 Kinder
  • 6 Familien haben zum Zeitpunkt des Zuzugs schon 1 Kind
  • 5 Familien haben zum Zeitpunkt des Zuzugs noch keine Kinder
1): Diese Geburtenrate liegt knapp 30% über der tatsächlichen Rate laut Statistik [3] und soll damit abbilden, dass der Zuzug einen hohen Anteil an Familien enthält.

Unter diesen Annahmen wäre dann mit 32 Kinder zu rechnen und die folgende Verteilung der Geburten über die Jahre wäre denkbar, sofern vereinfachend als Jahr des Zuzugs für alle Familien 2023 angenommen wird:


20172018201920202021202220232024202520262027
1xx
2xx
3xx
4xx
5xx
6xx
7xx
8xx
9xx
10xx
11xx
12xx
13xx
14xx
15xx
16xx
Kinder11234555321
Einschulung20242025202620272028202920302031203220342035
 
 
 
 
 
 
Kinder11234555321
Einschulung20242025202620272028202920302031203220342035




Dieses einfache, an manchen Stellen vielleicht zu einfache Modell zeigt nun, dass unter gewissen Annahmen der Einfluss des Baugebiet auf die Klassenbildung in den ersten Klassen der Grundschule Oberfahlheimm auf wenige Jahre beschränkt ist.

Unter den dargestellten Annahmen ist ein spürbarer Effekt des Baugebietes nur in sechs Jahrgängen zu erwarten. In allen anderen Jahren beschränkt sich der Einfluss durch das Baugebiet auf ein bis zwei Schüler pro Jahrgang. Eine weitere Aufspreizung des Effekts über weiterer Jahrgänge ist nur denkbar, wenn das Zeitfenster der Geburten erweitert wird. Unter der Annahme, dass bei der Bauplatzvergabe die Zahl der Kinder eine Rolle spielt (ob es tatsächlich so ist, ist mir nicht bekannt) ist eine Erweiterung des Geburtenfensters in die Zukunft nur bedingt möglich, da Kinder teilweise schon zum Zeitpunkt des Bauplatzerwerbs geboren sein mussten (bzw. bereits eine Schwangerschaft bestehen musste) und die Abstände zu Geschwisterkindern normalerweise nicht beliebig groß werden. Umgekehrt könnte das Geburtenfenster in die Vergangenheit erweitert werden, was bedeutet, dass das Alter der bereits geborenen Kinder höher ist und diese Kinder somit für die Grundschule in weniger Jahrgängen zu berücksichtigen sind. Hier würden Kinder also nicht mehr für die Klassenbildung einer ersten Klasse herangezogen werden sondern würden in die bestehenden zweiten, dritten oder vierten Klassen einsteigen.

Weiterhin ist zu beachten, dass Effekte des Baugebiets auf die Bildung der ersten Klassen nur relativ wenige Jahrgänge betreffen werden. Zuvor und danach ist der Einfluss nur marginal. Im Anschluss an diese Zeit ist in diesem Sinne das Baugebiet für die nächsten 20 bis 30 Jahre verbraucht. Hier sind nur gelegentliche Zuzüge zu erwarten, die sich ergeben falls Immobilien durch den Wegzug von Familien vorzeitig frei werden. Unter der Annahme dass das Baugebiet vorwiegend von jungen Familien in Anspruch genommen wird, ist zu erwarten dass der Generationenwechsel in 20 bis 30 Jahren frühestens einsetzen wird. Unter der weiteren Annahme dass der Generationenwechsel sich über mehr als 16 Jahre erstrecken wird ist im Schnitt nur vom Wechsel der Besitzverhältnisse eines einzigen Grundstücks pro Jahr auszugehen. Dementsprechend kommen pro Jahr die Anzahl der Kinder der zuziehenden Familie in der Berücksichtigung der Schülerzahlen in Betracht.

Somit würde ich erwarten, dass das erwähnte Baugebiet kurzfristig zu einer Erhöhung der Schülerzahlen führen wird, mittelfristig praktisch keine Rolle spielen wird und langfristig dazu beitragen kann, dem laut Statistik [3] prognostizierten Rückgang der Bevölkerung in der Altersgruppe der unter 6-jährigen entgegenzuwirken.

Selbstverständlich lässt die Modifikation der Eingangsparameter der Modellrechnung zu eine flachere dafür länger anhaltende Welle von steigenden Schülerzahlen zu modellieren. Allerdings muss geprüft werden ob die Modifikation der Eingangsparameter zulässig ist. Dies wäre zum Beispiel der Fall, wenn die Anzahl der Kinder in der Vergabe der Bauplätze keine Rolle spielt und eine sehr schnell fortschreitende Bebauung der Bauplätze nicht durch Bauzwang herbeigeführt wird.

Insgesamt dürfte die dargestellten Modellrechnung den Einfluss des Baugebiets auf die Schülerzahlen überschätzen. Aber um grundsätzlich die Auswirkungen für die Grundschule zu verstehen, scheint die für mich ein guter Ansatz.

[1]: https://www.nersingen-buergerentscheid.de/
[2]: https://www.rettet-gs-oberfahlheim.de/
[3]: Bayrisches Landesamt für Statistik, Demographie-Spiegel für Bayern 2021, Gemeinde Nersingen